Update #7: Bolivien:

14Jan2014

Sucre:

Nach der Tour durch die Salzwüste Uyuni ging es für mich und meine holländische Bekanntschaft mit dem Nachtbus weiter in die bolivianische Hauptstadt Sucre. Die Stadt zählt mit ihren weißen, alten Gebäuden zu einer der am schönsten erhaltenen, spanischen Kolonialstädten Südamerikas. Viel kann man dort eigentlich nicht machen, deshalb war ich mit Maaike viel in den Parkcafés gessessen, um die bolivianischen Leute zu beobachten. Auch der Besuch zum Stadtmarkt hat sich gelohnt: man bekommt frischen Fruchtsaft, riesige Obstteller mit Sahne oder auch ein gutes Mittagessen für nur wenige Cents. Um den bettelnden Kindern eine Freude zu bereiten, haben wir Sticker verschenkt und konnten dem Ansturm kaum nachkommen, denn plötzlich wollten die Kinder nicht nur für sich selbst Sticker, sondern auch noch für all ihre Cousinen. Besonders genossen habe ich meine Unterkunft im “Kulturcafé Berlin”, der Besitzer war ein Deutscher und ich habe mir jeden Abend Kartoffelpüree mit Bratwurst und Sauerkraut bestellt; es hat fast wie Zuhause geschmeckt.

Potosi:

Die Stadt Potosi gilt mit 4070m Höhenmetern als seine der höchstgelegenen Großstädten der Welt und ist für ihre Haupteinnahmequelle, den Bergbau bekannt. Wir haben eine Tour zu den Minen unternommen, um zu sehen unter welch schlechten Bedingungen die Minenarbeiter dort tagtäglich schufften müssen. Um den Arbeitern eine Freude zu bereiten, müssen die Touristen ihnen Geschenke mitbringen. Der Klassiker ist hierbei das “Miner’s happy meal”, das aus Coca Blättern, Sprengstoff, Alkohol, Fruchtsaft und Zigaretten besteht. Der Besuch war einer der traurigsten Erlebnisse meiner Zeit in Bolivien. Die Gänge waren stockdunkel, es war so eng, dass man fast die ganze Zeit den Kopf beugen musste, das Wasser ging uns teilweise bis zu den Knien und die Luft war so sticking und dünn, dass man kaum atmen konnte. Kein Wunder, dass die Lebenserwartungen der Arbeiter bei solch niedrigem Technologie- und Sicherheitsniveau sowie unmenschlichen Arbeitszeiten nur 45 bis 50 Jahre beträgt. In den Minen wird hauptsächlich Zinn, Kupfer und Silber abgebaut. Da Bolivien keinen Anschluss zum Meer hat, müssen die Bolivianer die Rohstoffe billig an Chile verkaufen. Danach werden diese nach China geschippt, um z.B. unsere Iphones zu produzieren.

La Paz:

Silvester habe ich in einem 180-Betten-Partyhostel in La Paz gefeiert. Genauso “Loki” wir der Name ist auch das Leben und die Atmosphäre im Hostel. In der Bar haben wir für jede Zeitzone den Anbruch des neuen Jahres gefeiert und die entsprechende Nation bekam freie Shots. Nach Silvester lag mein ganzes Zimmer für 5 Tage flach, alle waren mit Magenproblemen, Fieber und Übelkeit geplagt.

A)    Stadttour

In einer “free walking tour” durch La Paz habe ich viel über die Kultur Boliviens gelernt und es fällt mir nun leichter, die Menschen dort zu verstehen. Hier ein kurzer kultureller Überblick:

-      Im Gefängnis in La Paz sind ca. 4000 Menschen untergebracht. Wer seine Unschuld nicht beweisen kann, wird verhaftet. Die Miete im Gefängnis ist so teuer, dass manchmal die komplette Familie mitzieht, um nicht zwei Mieten bezahlen zu müssen. Das Gefängnis ist Hauptproduktionsstätte von Kokain, eine Tatsache, die die Polizei gerne ignoriert. Die meisten Gefangenen haben korrupte Partner außerhalb der Zellen, die beauftragt werden Autos zu klauen. Die Autobesitzer werden aufgefordert Geld an die Gefangen zu bezahlen. Wenden diese sich an die Polizei, verkauft die Polizei widerrum die Informationen an die Gefangenen, sodass die Autobesitzer unter noch mehr Druck stehen und letztendlich das Lösegeld bezahlen, um ihr Auto abholen zu dürfen.

-      Im 20. Jahrhundert kam einem italienischen Modelabel die glorreiche Geschäftsidee, Männerhüte nach Bolivien zu exportieren. Dummerweise waren die Hüte viel zu klein für die bolivianischen Männerköpfe. Als Notlösung hat man den bolivianischen Frauen erzählt, die Hüte seien der letzte Schrei in Europa, man trägt sie nicht auf dem Kopf, sondern über dem Kopf, das würde sie größer und schöner machen. Heute sind die Hüte so beliebt bei den Indio Frauen, dass diese sogar bei Regen in eine Tüte eingepackt und wieder aufgesetzt werden.

-      Die Häuser in Bolivien sind meistens weder gestrichen noch verputzt. Grund dafür ist eine Gesetzesregelung, die besagt, dass nur “fertige” Häuser besteuert werden müssen.

-      Auf dem Hexenmarkt findet man sowohl Liebespulver als auch tote Lamas. Die Bolivianer sind sehr abergläubisch. Beim Neubau von Häusern werden die toten Tiere als Opfergabe unter dem Haus vergraben.

-      Die bolivianischen Frauen sind sehr klein, sie tragen ihre langen, schwarzen Haare unter dem Hut in zwei Zöpfen geflochten, um den Rücken wickeln sie ein buntes Tuch, um Ware oder Kinder zu transportieren. Sie sind mit  traditionellen Röcken bekleidet, die ihre Hüften 5 mal so breit aussehen lässt. Geflirtet wird hier mit der Wade, denn umso stärker die Frau, desto wertvoller ist sie für den Mann.

-      Wenn man ein unerlaubtes Foto von den Frauen schießt, bekommt man schon einmal einen Fisch ins Gesicht geklatscht. Die bolivianischen Frauen glauben nämlich durch Fotos nimmt man ihnen die Seele.

-      Überall in La Paz findet man junge Schuhputzer. Sie sind maskiert und ähneln Verbrecher. Jedoch tragen sie die Maske nur, um dem Scham von Freunden und Lehrern zu entkommen.

 

B) Death Road

Das Highlight in Bolivien war für mich mit Abstand die Death Road oder auch die “gefährlichste Straße der Welt” von La Paz nach Coroico. Mit Mountainbikes, Helmen und Schutzkleidern sind wir 69km und 3000 Höhenmeter bergab gefahren. Erst durch Nebelwolken und Regen, später durch Dschungelschluchten und Wasserfälle. Den Adrenalinkick bekam man durch die engen, nassen Wege; vom Abhang war man nur wenige Meter entfernt. Heute gibt es eine neue Straße, aber früher fuhren dort 500 Autos täglich und wenn man sich an der falschen Stelle begegnete, war das ein Todesurteil.

 

Copacabana, Titicacasee & Isla del Sol:

Nach La Paz ging es weiter zum Titicacasee, dem höchstgelegenen Gewässer der Erde (3810m). Mit einem kleinen Motorboot sind wir zur Isla del Sol gefahren. Die Insel war wunderschön und hat mich ein wenig an Griechenland erinnert. Mit Eseln wurden das Gepäck der Touristen die Hänge hinauf transportiert. Wir haben eine Ruine besichtigt und sind am nächsten morgen zurück nach Copacabana gefahren, von wo aus wir nach Cusco (Peru) weiterfahren wollten.

 Bolivien Resume:

Ich würde behaupten, nach nur 5 Minuten hasst man das dreckige Bolivien, in dem es kein Toilettenpapier gibt und aufrgund von unhygienischen Zuständen Magenprobleme vorprogrammiert sind. Aber nach 2 Wochen lernt man es zu lieben. Die Leute wirken auf den ersten Blick unfreundlicher als die Chilenen, aber in Wahrheit sind sie nur zurückhaltend und öffnen sich, sobald man ins Gespräch kommt. Ich habe zwei Gruppen der Bolivianern kennen gelernt: zum einen reiche Studienfreunde, die in guten Häusern leben und mit dem europäischen Standard mithalten können; zum anderen die armen Einheimischen, die auf der Straße ihr Geld verdienen, betteln und traditionell gekleidet sind.

Was die Sicherheit betrifft merkt man zwar die Unterschiede zu Chile, aber wenn man sich an gewisse Grundregeln hält, dann passiert einem nichts, zumindest hatte ich selbst Glück.

Kurz vor der Abreise in La Paz habe ich jedoch einen Komilitonen getroffen, der Pech hatte. Er stand immer noch unter Schock und hat mir erzählt, wie er ausgeraubt wurde. Er kam nachts am Busbahnhof an und ein peruanisches Mädchen hatte ihn gebeten, sich ein Taxi mit ihr zu teilen. Sobald er eingestiegen war, hielt der Taxifahrer an, ein "falscher" Polizist stieg ein, die Türen wurden verriegelt und das peruanische Mädchen reichte die Taschen an die Polizei weiter. Ihm wurden alle Wertsachen genommen, sein Backpack wurde aus dem Fenster geworfen und dann haben sie ihn irgendwo im nirgendwo ausgesetzt. Die “echte” Polizei hat natürlich nichts unternommen. Wahrscheinlich steckten alle unter einer Decke.

 

Nun geht es weiter nach Peru, weiter Einträge und Bilder folgen bald.

update #6 Patagonien, San Pedro de Atacama & Salar de Uyuni

28Dez2013

Patagonien

Nach den letzten Uni Prüfungen ging es gemeinsam mit 5 Mädels nach Patagonien, in den Süden Chiles. Ich glaube als wir damals den Flug gebucht haben, war keinem von uns so richtig bewusst, dass es sich hiermit um einen reinen Wanderurlaub handelt und dass wir einen schweren Backpacker tragen würden.

Angekommen in Punta Arenas fuhren wir mit dem Bus weiter nach Puerto Natales, der Anlaufstelle für den weltweit beliebtesten Trekking National Park „Torres del Paine“. Ausgerüstet mit Zelt, Proviant, Isomatte, Schlafsack, Gaskocher und einer handvoll Kleider starteten wir unseren ersten Trekking Tag. Wenn ich jetzt im Nachhinein die Bilder sehe, dann erinnert mich unser Anblick an dicke Schildgröten, die sich schwankend vorwärts bewegen und kaum den eigenen Panzer tragen konnten. Besonders eine Freundin aus Deutschland hatte am Anfang schwer zu kämpfen, denn sie hatte natürlich den XXL Wäschebeutel und den Föhn mitgenommen, ihre Motivation brachte sie mit den Worten „I hate Trekking!“ zum Ausdruck. Irgendwie kamen wir auch nicht so schnell vorwärts wie die anderen Wanderer, was wohl daran lag, dass wir an jedem Aussichtspunkt 30min Pause eingelegt haben, um "Selfies" zu schießen.

Die Landschaft war unglaublich und zählt nach meinen eigenen Erfahrungen zu den schönsten Flecken der Erde, die ich bisher gesehen habe. Jede Stunde änderte sich das Landschaftsbild: grüne Wälder, verschiedene Schattierungen von Felsen, Gletscher, Seen, Blumen, Wasserfälle, abgebrannte Sträucher und zum Himmel ragende Berge. Aber der Preis, den wir für diese Ausblicke bezahlten war hart: wir haben 5 Tage nicht geduscht, abends lagen wir mit so vielen Kleiderschichten im Schlafsack, dass wir uns kaum noch bewegen konnten, der Wind erreichte 100km/h, sodass der ein oder andere mal ein paar Meter weggeweht wurde, es hat teilweise geregnet und jeden Abend waren die Füße vom vielen Wandern angeschwollen.  Auch das Kochen war abenteuerlich.  Wir kamen immer total ausgehungert am Zeltplatz an und haben mit unserem kreativen Luxus Menü den Torres del Paine Essensrekord gebrochen: erst Instant Noodles, dann Fertigreis und als Nachspeise Pasta. Neben uns saßen Franzosen, die doppelt so viel gelaufen sind und die Hälfte gegessen haben. Sie haben uns ungläubig angestarrt und gefragt, ob wir den wirklich gerade zum dritten Mal gegessen haben.

Zum Abschluss haben wir Phil's Song umgedichtet und uns durch die Verse “no more night, just one more hike... and a beer tonight” motivieren lassen. Auch wenn das alles sehr negativ klingt, so hatten wir trotzdem unglaublich viel Spaß, genießen die atemberaubenden Bilder und wissen den Altagsluxus wieder zu schätzen.

Danach setzte ich meine Patagonien Reise, nun die argentinische Seite, alleine mit Carina fort. Wir fuhren nach El Calafate um den Riesengletscher „Perito Moreno“ zu besichten, danach nach El Chalten um zum berühmten „Fitz Roy“ zu wandern, nach Feuerland zu den Königspinguinen und zum Abschluss nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt.

San Pedro de Atacama

Über Weihnachten bekam ich den langersehnten Besuch von meiner Mutter und deren Freundin. Ziel unserer Reise war neben Santiago, Valparaiso und die Atacama Wüste.                                           

Nach dem langen Flug von Santiago in den Norden nach Calama tauchte da irgendwo im nirgendwo die kleine Stadt San Pedro auf, die sich aus staubigen, kleinen Lehmhäusern zusammensetzte. In der Hauptstraße gab es zahlreiche Restaurants, Bars und über 70 Agenturen, die Touren für die dort tummelden Touristen anboten. Außerdem versorgten sich alle Bewohner mit Kanistern voll Wasser, denn dies war bei dünner Luft, Hitze und Trockenheit ein begehrtes und teures Gut. Statt Snowboarden gibt es hier den Gegensport Sandboarden, den wir mit Freude getestet haben.  Das Hinauflaufen auf die Sanddünen ist recht anstrengend und die Fahrt ist etwas langsamer als im Schnee, aber man lernt sogar als Anfänger schnell dazu und fällt zur Not in den weichen und warmen Sand.

Gemeinsam sind wir mit dem Jeep durch die Mondlandschaft Valle de Luna gebraust, wo wir den Sonnenuntergang bestaunt haben. Die Atacama Wüste ist als trockenste Wüste der Welt für ihren klaren Sternenhimmel bekannt. Bei einer astronomischen Tour  haben wir mit Teleskopen Venus, Jupiter und Sirius beobachtet und mit Ipads die Sternenbilder verfolgt. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Sterne auf einmal gesehen.

Uyuni

Das Highlight des Trips war die 4 Tagestour mit dem Jeep nach Uyuni.  Wir haben Chile verlassen und sind gemeinsam mit unserem Fahrer Saul und drei Brasilianern durch Bolivien gefahren. Richtige Straßen gab es da nicht und auch Beschilderungen waren eine Ausnahme. Ich glaube ohne Jeep und ohne Orientierung würde man nie den Weg von Bolivien nach Chile zurück finden.

Die Naturvielfalt hat mich wieder einmal umgehauen. Zu unseren Stops zählten Geysire; heiße Quellen, die als Thermalbäder dienten; rote, grüne und weiße Lagunen, deren Farben durch verschiedene Mineralien entstanden waren; schneebedeckte Vulkane; Flamingos; Lamas; die Kakteeninsel Isla de los Pescadores und letztendlich die Salar de Uyuni, die mit mehr als 10.000m2 zur größten Salzwüste der Erde zählt. Der Himmel hat sich in dem Salzsee gespiegelt und man konnte aufgrund der Salzspiegelung unreale Bilder mit veschobenen Dimensionen aufnehmen.

Unsere Unterkünfte in Bolivien waren sehr bescheiden. Strom gab es nur für 2 Stunden, die Duschen waren eiskalt, Heizung gab es auch nicht und Wifi, was ist das denn? Das faszinierende an den Unterkünften war jedoch, dass diese komplett aus Salzsteinen gebaut waren. Auf 5000m Höhe waren fast alle von Kopfschmerzen, Atemproblemen und trockenem Mund geplagt. Ich musste mich sogar mehrfach übergeben und habe von den Bolivianern Coca/ Kokain Blätter bekommen, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Es war eben das etwas andere Weihnachten am anderen Ende der Welt.

Im Vergleich zu Chile ist das Nachbarland Bolvien viel ärmer, die Infrastruktur und wirtschaftliche Entwicklung liegt weit hinterher.  Als ich in der kleinen Stadt Uyuni angekommen bin war mein erster Gedanke „Scheiße, liegt hier viel Dreck!“. Überall wird gebettelt, sogar Kinder streicheln deinen Arm und schauen dich mit großen bettelnden Augen an, sodass man es fast nicht übers Herz bringt ihnen nichts zu geben.

Abends habe ich mich einer Truppe von Holländern angeschlossen und mich auf die Weiterreise in die Hauptstadt Sucre gemacht.

Silvester ist in La Paz geplant.

Liebe Grüße an alle aus der Heimat, vorallem an die denen es gerade nicht so gut geht und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Update #5

07Nov2013

Teil A: Reiseberichte

Pucon: Chile`s little Austria

 Am vergangenen Wochenende bin ich mit ein paar Komilitonen in das 9h südlich gelegene Touristenparadies Pucon gefahren. Ich bin jedes mal fasziniert, wenn ich abends im Nachtbus einschlafe und am nächsten morgen in einer anderen Welt aufwache: überall grüne Wälder, Seen, Berge und dazwischen Vulkane! Ganz anders als die trockene Kakteensteppe um Santiago. Die Landschaft sah aus wie eine Mischung aus Schwarzwald und Alpen.

Das Motto des Urlaubs war “Extremsport”: wir waren Raften, haben den 3000m Vulkan Villarira bestiegen, haben eine Hiking Tour um den See unternommen und sind auf Pferden durch die Berge geritten. Während wir uns bei solchen Aktivitäten in Deutschland an den Leitspruch “Safety Comes First”  halten, so ist es in Chile eher das gegenteilige “No risk, no Fun!”. Ich habe den Guide vorsichtshalber gleich zu Beginn gefragt wie viele Menschen denn schon bei seiner Tour gestorben sind, und er meinte nur 2, das sei eine gute Quote und er könne ja nichts dafür, dass die beiden sowohl Pickel als auch Steigeisen verloren haben. Selber schuld halt.                                                         

Am schlimmsten für mich war das Hinunterrutschen des Vulkans. Am Gipfel ging es fast senkrecht runter und die einzige Bremse war der Pickel in meiner Hand. Leider war das Rutschen letztendlich Gruppenzwang und so wurde mein wimmerndes „no quiero!“ mit einem kräftigen Schups von hinten beantwortet.

Auch beim Reiten wird Sicherheit ignoriert. Helme, wozu das denn? Du bist noch nie geritten? Kein Problem, und zack aufs Pferd gesetzt. Ich hatte das Glück oder auch Pech ein langsames Pferd zu erwischen, egal wie ich mich angestrengt habe, es hat kurz beschleunigt, um danach wieder vor sich hin zu trödeln. Die Gruppe hat natürlich nicht gewartet, der Guide meinte zuvor, das Pferd wisse schließlich den Weg von alleine. Trotz allem ein super Wochenende mit tollen neuen Erfahrungen.

Cajon del  Maipo

Zusammen mit meinem Mitbwohnern ging es am Wochenende zuvor zum Wildcampen in die Felsschlucht Cajon del Maipo, ca. 1h südlich von Santiago. Besonders lustig war die Zusammenstellung der Characktere. Zum einen uns Austauschschueler, professionell mit Backpacker und dann im Gegenzug die kleinen Chilenen, jeder das Gepäck in 2 Tüten verstaut. Als wir ankamen und den ersten Kilometer hinter uns gebracht haben, stellten wir fest, dass der kleine Libo aus Panama fehlte. Natürlich war der gute erst mal abgehauen, um Emañadas zu kaufen.

Auch die Zeltplatzsuche erwies sich als schwierig. Der Beitrag meines schwulen Mitbewohner, den ich auch gerne als Prinzessin bezeichne, war jedes mal nur: „No! Aca es feo!“. Schließlich haben wir eine Stelle an einer Felsbucht gefunden, an der man BBQ machen und im Fluss baden konnte. Während sich Europa auf den Steinen gebräunt hat, war Panama die  ganze Zeit in seinem Handtuch eingewickelt. Auf unsere Nachfrage, ob er denn nicht schwitze hat er nur trotzig geantwortet, dass er nicht schwarz werden wolle. Abends wurde gegrillt und am nächsten Tag sind wir wieder zurück marschiert.

 

Viña del Mar & Valparaiso

Das Vorvorwochenende bin ich mit meinem Freund aus Hawaii für 3 Tage ans Meer gefahren. Die Stadt Valparaiso hat es mir wirklich angetan. Überall sieht man bunte Häuser, kunstvolle Grafiti Wände, Hügel mit Blick aufs Meer, Fischmärkte und leckere Restaurants.

Wir waren im botanischen Garten und haben eine Hafenrundfahrt gemacht. Am nächsten Tag hat Joey mir surfen beigebracht. Auch wenn sich meine Erfolgserlebnisse in Grenzen gehalten haben und ich froh war einen Moment auf dem Brett zu stehen, so hat es doch mega viel Spaß gemacht. Zum Abschluss gabs Seafood-Empañadas, fettig & lecker.

 

Teil B: Chile

Was anders ist? 

  • Uni ist hier eher wie Highschool mit wöchentliche Tests, Präsentationen und Essays und ein Treffpunkt für Sport & Parties. Anders ist auch, dass die meisten Chilenen stolz auf ihre Uni sind . Vor allem die Universidad de Chile und die Universidad Catolica konkurrieren stark.
  • Dieser Stolz hängt vielleicht auch mit den hohen Gebühren zusammen die ein Studium hier kostet. Die Entscheidung an eine bestimmte Uni zu gehen bedeutet hier daher einerseits viel Geld zu investieren und andererseits auch 5 Jahre an dieser Uni zu studieren (so lange dauert hier der Bachelor). Die hohen Gebühren, die es ärmeren Familien fast unmöglich macht ihre Kinder auf eine Uni zu schicken, führen auch immer wieder zu Protesten und Streiks seitens der Studenten, aber haben bis jetzt wenig ändern können.
  • Die Uni sowie die Parks sind auch der Treffpunkt für alle Pärchen. Denn Chile ist was “Sex vor der Ehe” angeht noch sehr konservativ. Da viele Chilenen noch zu Hause wohnen und von ihren Eltern ueberwacht werden, wimmeln die Stadtparks bzw. Grünflächen zu jeder Jahreszeit von kuschelnden, uebereinander herfallenden Pärchen…
  • Das Kassensystem oder wie man Arbeitsplätze schafft: Einkaufen in Chile muss gelernt sein, denn um z.B. das Brötchen seiner Wahl zu bekommen muss man dieses erst einmal an der Theke auswählen, bekommt dort einen Zettel, muss daraufhin bei der Kasse bezahlen und dann mit dem Kassenbong wieder zur Theke um es auch zu bekommen.
  • Typisch sind ausserdem Schlangen, und zwar nicht die, die auf dem Boden rumkriechen, sondern die, die Zeit schlucken!! Ueberall muss man anstehen, bei der Bank, bei der Post, beim Baecker, in der Mensa &  beim Einkaufen. Kein Wunder, dass die Leute im Supermarkt die Chips Tuete schon leer gegessen haben bis sie endlich bezahlen koennen! Auf dem Weg zur Uni muss ich mir jeden Morgen ein Grinsen verkneifen, wenn ich an der Bushaltestelle vorbeilaufe und die Leute auf bis zu 50 m brav hintereinander anstehen und gemuetlich ihre Zeitung lesen.
  • Viele Chilenen beklagen sich über die Ungerechtigkeit in ihrem Land: Superreiche auf der einen Seite und viele Armen auf der anderen. Nicht nur das Santiago ziemlich klar aufgeteilt ist: im Zentrum leben die armen, am Strandrand, in der Nähe der Natur, die Reichen, sondern selbst Krankenhäuser teilen in reich und arm ein. Zwei bzw. Dreiklassenmedizin ist hier wirklich Alltag und es ist erschreckend zu sehen wie voll die Notaufnahme des armen Krankenhauses bei mir um die Ecke zu jeder Tages und Nachtzeit ist.
  • Im Zusammenhang zu den krassen Unterschieden stehen auch die vielen Obdachlosen, die ich jeden Tag sehe. Meist liegen sie fast den ganzen Tag auf dem Bürgersteig und schlafen auf einem Stück Pappe.
  • Straßenhunde sind überall: Uni, Metro und mitten auf der Straße. Aber was ich so mitbekommen habe sind Chilenen tierlieb, denn selbst wenn die Hunde am Eingang der Metro mitten in der Rushhour liegen, machen die Chilenen eine Umweg, damit der Hund gemütlich liegen bleiben kann.
  • Die Müllabfuhr kommt hier täglich und zwar gegen 1 Uhr nachts. Jedes mal wenn ich im Bett liege und aufwache, denke ich fuer einen kurzen Moment es kommt ein Panzer angefahren.
  • Umarmung oder gar Handschlag ist hier zur Begrüßung tabu! Ein Kuss auf die Wange, selbst bei Menschen die man das erste Mal trifft, ist Pflicht und wird, so wie ich gehört habe selbst bei Vorstellungsgesprächen praktiziert. Und auch Professoren und ihre Tutoren begrüßen sich so.
  • Das Toilettenpapier gehört in den Mülleimer und nicht ins Klo, sofern man keine Überflutung verursachen will
  • Zum Essen läuft der Fernseher, egal ob man alleine isst oder mit 4 anderen

 

Was ich gelernt habe? 

  • ”Man gewöhnt sich an alles!” ist wohl ein passendes Sprichwort. Loch im Fenster, Sirenen, Spinnen im Zimmer, keine Heizung bei Minusgraden, Duschen bei staendigem Temperaturwechsel von “scheisskalt” zu “ich-verbrenn-mir-gleich-die-Haut” etc. aber natürlich auch genug Schönes gehören hier nun zum Alltag!
  • Santiago ist eine Stadt die entdeckt werden will. Bei meiner Ankunft am 25. Juli war ich erstmal etwas überfordert vom Lärm, vom Dreck, vom Verkehr und den ranzigen Häusern. Wenn ich jetzt durch die Strassen laufe muss ich schon darueber  lachen wie normal das alles für mich geworden ist. Und mehr noch als das: nach den ersten Wochen in denen alles neu war, habe ich mittlerweile auch Viertel mit Cafés, Galerien, Boutiquen, Antiquitätenläden, Buchhandlungen, Parks und sogar Häusern wie in Paris und Co gefunden. Gerne würde ich jemanden von Zuhause als das einmal zeigen, denn Santiago ist, anders als man denkt nicht nur groß und hässlich, sondern hat viele schöne verschiedene Viertel mit ganz unterschiedlichem Charme. Schönheit liegt im Auge des Betrachters aber jetzt wo alles grün ist und die Sonne scheint, fällt es schwer Santiago nicht schön zu finden.
  • Umweltbewusstsein ist hier noch ein Fremdwort: im Supermarkt bekommt man alles in Plastiktüten einpackt (wenn man nicht schnell genug ist, es selbst in den Rucksack zu packen), sodass man locker mit 5-7 Tüten nach einem Einkauf nach Hause geht. Auch der Müll wird hier natürlich nicht getrennt: Gemüse, Plastik, Papier, Batterien… alles zusammen. Und Chlor, ist zumindest in meinem Haus, das liebste Putzmittel des Chilenen. Egal ob Chlor für die Wäsche, das Klo, den Boden, den Kühlschrank (!), die Arbeitsflächen oder die Spüle. Damits poorentiefrein wird braucht es immer einen ordentlichen Schuss Chlor. Erst wenn es riecht wie im Schwimmbad, ist es sauber.
  • Koriander als Bestandteil fast jeglichem Essens zu akzeptieren
  • Es geht auch ohne Internet auf dem Handy
  • chilenische modismos (Dialektwörter) zu akzeptieren, zu verstehen und letztendlich zu verwenden: “Linda” ist naemlich nicht das coole Mädchen von nebenan; “Cachai” ist kein asiatisches Essen und “Jajajaja” bedeutet nicht, dass die Chilenen einverstanden sind
  • Zu spät kommen! Jeder kommt hier immer und überall zu spät! Wenn unsere lokale Ansprechpartnerin vor einem Ausflug ankuendigt: “Der Bus kommt um 8:00, und wer zu spät kommt bleibt zu Hause!”  können wir sie schon nicht mehr ernst nehmen…!!

 

Was ich jetzt zu schätzen weiß?

  • Das Gefühl ohne Sorge abends durch die Straßen gehen zu können. Das ist definitiv ein Stück Lebensqualität in Deutschland, dass ich jetzt mehr zu schätzen weiß. Denn hier schließt die Metro um 23 Uhr und danach muss man entscheiden: Taxi oder laufen? Meist fällt sie auf ein Taxi.
  • Leitungswasser was Chlorfrei ist, lecker schmeckt und nicht an Schwimmbad erinnert
  • Waschmaschinen, die zum einen heiß waschen können und trotzdem so schön schleudern, dass die Kleidung danach weder zwei Nummern größer noch kaputt ist.
  • Käse egal ob als Feta, Mozzarella, Gouda, Frischkäse, Bergkäse, Leerdamer, Ziegenkäse oder Quark mit einem leckeren dunklen Koernerbrot, dass keine Verdauungsprobleme verursacht…. (Käse ist hier nämlich teuer und schmeckt nach nichts, es sei denn man gibt ein kleines Vermögen für importierten Käse aus.)

Was ich vermissen werden?

  • dass es hier günstiger ist auf dem Markt einkaufen zu gehen, als im Supermarkt
  • Berge in einer Stunde Entfernung, das Meer erreicht man in 1 ½ Stunden und dazwischen die wunderschoene Weingegend
  • Fast nie Regen (aber wenn doch, dann herrscht in Santiago Chaos)
  • Der Blick auf die Berge (Cordillera), die immer wieder zwischen den Häuserschluchten auftauchen
  • Überall Essenstände an den Straßen, egal ob Obst und Gemüse, Süßes oder Empañadas oder Churrascos
  • Empañadas (gefüllte Teigtaschen)
  • Michelada (Bier mit frischen Zitronensaft und Salzrand)
  • hilfsbereite und gastfreundliche Chilenen
  • die abwechslungsreiche Natur
  • ab und an ein kleines Erdbeben, entweder in Form eines Getränks oder von  wackelnden Waenden
  • die Aufmerksamkeit der Männer ;) selbst verschlafen, mit fettigen Haaren und Schlabberhose wird man hier noch anerkennend angehupt

 Was noch kommt?

  • Final Exams Mitte/ Ende November
  • Abschlussparties: Color Run & Creamfields Chile
  • Reise in den Süden: 15 Tage Patagonien
  • Weihnachten in der Atacama Wüste mit Mum & Freundin
  • 10 Wochen: Bolivien, Peru, Ecuador & Kolumbien

Update #4: Argentinisches Steak, Wasserfälle und Dschungel

23Sept2013

Über die Midtermphase und die Nationalfeiertage in Chile wollte ich den Südosten von Südamerika erkunden. Zunächst ging es mit dem Flugzeug nach Iguazu, eine tropische Stadt im Drei-Länder-Dreieck von Argentinien, Brasilien und Paraguay. Im Anschluss hatte ich eine Weiterfahrt nach Buenos Aires und Montevideo geplant.

Waterfalls of Iguazu:

Nachts um 3 wurde ich Zuhause abgeholt und via Safety Transfer an den Flughafen gebracht. Nach 5 Stunden Flug über schneebedeckte Anden und Regenwald kam ich endlich in Puerto de Iguazu an... und machte gleich eine freudige Bekanntschaft. Louisa und Anne, beides Mädels aus Heidelberg. Zufall. Sie studieren auch in Santiago. Zufall. Eine davon ist die beste Freundin meiner Cousine Julia. Schicksal!! Warum sollte man sich in Santiago treffen, wenn man sich auch in Iguazu über den Weg laufen kann?

In Iguazu war es mega heiß. Strahlend blauer Himmel und 35 Grad. Eine angenehme Abwechslung zum kühlen Wetter in Santiago. Gemeinsam sind wir in die Stadt gefahren und haben uns im Hostel "Timbo Posada" eincheckt. Im Garten wucherten tropische Pflanzen und Bananenbäume, es gab eine Holzhütte mit Küche und ein Pool. Zum Frühstück wurde uns frisch gepresster Orangensaft, Kuchen und Brot serviert, das alles für günstige 8 Euro pro Nacht.

Am nächsten Morgen ging es zu den Wasserfällen, wir haben sowohl die argentinische als auch die brasilianische Seite besichtigt! Es war unglaublich, man kann den Anblick und die Atmosphäre weder in Worte noch in Bilder fassen, aber ich schwöre, wenn es irgendwo das Paradies auf Erden gibt, dann ist es eindeutig in Iguazu. Der Park ist umringt von Regenwald und überall laufen Affen (oder Nasenbären?) herum, die einen attackieren sobald man sein Essen auspackt.

Ciudad del Este:

Nach dem Unfall meines MacBooks hatte ich beschlossen über die Grenze nach Paraguay zu fahren, um mir in Ciudad del Este einen vorübergehenden Ersatz zu besorgen. Die Stadt ist bekannt für ihre günstigen elektronische Geräte, und von überall reisen Latinas an, um sich an der steuerfreien Ware zu bereichern. Ich war total überfordert, den es gab wirklich 1000 Geschäfte und jeder wollte mir etwas andrehen.

Ein Opa hat mich die ganze Zeit begleitet, ich dachte erst es wäre pure Nettigkeit. Sowie die Latinas, die man nach dem Weg fragt und die dich daraufhin sogar bis zum Ziel begleiten. Ich hab ihm gesagt, dass er wirklich nicht immer warten braucht, wenn ich im Geschäft bin und dass er sicher noch etwas besseres zu tun hat, aber er hat mich nur angegrinst. Irgendwann ging er mir auf die Nerven, als ob ich nicht selbst einkaufen gehen könnte. Ich hab mich im Geschäft beschwert und gesagt, dass der Opa mich verfolgt. Der Verkäufer hat daraufhin laut losgelacht und mir erklärt, dass der Opa Rabatt bekommt, wenn er Touris mit dickem Geldbeutel anschleppt.

Auch die Rückfahrt war spannend. Ich stand auf einer chaotischen Straße, direkt vor der Grenze und musste 1h auf den Bus warten, man weiß ja nie wann und ob einer kommt, in Südamerika gibt es keine Zeiten.

Weiterfahrt nach Buenos Aires:

Zusammen mit Nathalie, einer Freundin aus Schweden, die nach mir angereist ist, ging es mit dem Nachtbus weiter nach Buenos Aires. Wie uns Bekannte aus dem Hostel berichtet hatten, sollte uns Schnaps und ein dickes Abendessen serviert werden. Denkste! Wir, natürlich mittags nur ein Salädsche gegessen, warteten gespannt auf das Abendessen im Bus. Aber es kam einfach nichts. Ich hätte schreien können vor Hunger, man hatte ja keine Möglichkeit auszusteigen um Essen zu kaufen. Zudem war es eiskalt, ich musste meine Füße in eine Plastiktüte packen, um meine Körperwärme zu isolieren. Um 24:00 wurden dann endlich 3 Mini Empañadas ausgeteilt! Als wir in BA ankamen die nächste Pleite: stolze 8 Grad, es hat aus Eimern gekübelt und unser couchsurfing Gastgeber hat uns natürlich keine Adresse mitgeteilt! Unsere chilenischen Handynummern haben auch nicht funktioniert. Wir saßen schließlich in McDonald's, Wifi-technisch unsere letzte Rettung und haben auf die erlösende Facebook Nachricht gewartet.

Couch Surfing:

... oder auch die etwas "günstigere" Unterkunft. Couchsurfer sind meistens Studenten mit viel Zeit und wenig Geld. Gastgeber hingegen sind reisebegeisterte Beschäftigte mit viel Geld und wenig Zeit. Eine perfekte Kombination in meinen Augen. Im Gegenzug für die kostenlose Unterkunft verlangen die Gastgeber Gesellschaft und den Austausch der Kulturen. Über die Internetseite hab ich nach geeigneten, sicheren Gastgebern recherchiert und wurde fündig:

Die ersten drei Tage haben wir bei der Brasilianerin Ana und ihrem Mann in einer schicken Wohnung in Palermo gewohnt. Wir haben zusammen gekocht und Nathalie und ich durften 3 Tage im Wohnzimmer schlafen.

Die restliche Zeit waren wir bei dem 24 jährigem Wally, dem wohl nettesten Menschen, der mir je begegnet ist. Ich durfte 1 Woche in seiner Wohnung bleiben, und das obwohl er 3 Tage davon geschäftlich verreist ist. Das mir gezeigte Vertrauen war fast Angst einflößend. Er hat 2 Gästezimmer und schon über 40 Couchsurfer empfangen. Gleichzeitig mit uns war noch 1 Engländer und 1 Deutscher in seiner Wohnung. Keine Ahnung wie er das finanziert, entweder er ist hyperintelligent oder er hat reich geerbt.

Buenos Aires:

Man könnte es auch das Paris von Südamerika nennen! Im Vergleich zum eher amerikanisierten Santiago ist es weiter entwickelt und viel europäischer. Zudem sind die Argentinier größer, attraktiver und sprechen schöner. :) Statt Straßenhunden findet man hier nur doggy-Männer, die ihr Geld damit verdienen, die Hunde der gesamten Nachbarschaft auf einmal auszuführen! Die Stadt ist riesig und selbst nach 8 Tagen hat man noch nicht alles gesehen! Während der Regentage waren wir in den Kaufhäusern (das Leder hier ist unwiderstehlich günstig!!), bei gutem Wetter sind wir zu Fuß durch die Stadt gelaufen. Wir haben eine Fahrradtour durch den Park gemacht, den Friedhof von Ricoletta besichtigt, den Tangotänzer in "la Bocca" zugeschaut, das Nachtleben getestet und uns ein argentinisches Steak gegönnt. Besonders schön fand ich außerdem den Sonntagsmarkt von San Telmo, hier findet man dutzende Künstler und Straßenmusiker.

Uruguay und der Dollar:

Wegen der starken Inflation in Argentinien ist der Dollar heiß begehrt! Überall auf der Straße schreien die Leute "Cambio!?!" und belagern die Touristen um das Geld schwarz zu tauschen. Auch wir hatten Dollar mitgebracht. Für 100 Dollar bekommt man auf dem Schwarzmarkt 900 argentinische Pesos, bei dem offiziellen Kurs nur 540, sprich, man macht fast doppelt so viel Gewinn! Der einzige Ort in dem man Dollars abheben kann ist in Uruguay. Ich wollte eine Fähre nach Colonia de Sacramento buchen und anschließend weiter nach Montevideo fahren, aber wegen dem Heißhunger nach Dollar war das Schiff leider bereits vollkommen ausgebucht.

Tigre:

Von der Stadt am Rande von Buenos Aires hatte ich mir mehr erhofft! Das Ufer war zwar sehr schön, besonders an Sonnentagen kann man es dort gut aushalten, aber ansonsten war die Stadt eher langweilig und mit dem Vergnügungspark rein für Touristen aufgezogen!

Heimfahrt:

Morgen geht's mit dem Flieger zurück nach Santiago! Am Mittwoch steht eine mdl Midtermprüfung an, für die ich besser mal anfangen sollte zu lernen! Bilder gibt es von nun an nur noch über Facebook, ohne Laptop ist das hochladen zu kompliziert!

Das war's erst mal...

Eure Kathrin

Update #3: Urlaub vom Urlaub

29Aug2013

Da ich nun endlich die ersten Uniprojekte hinter mich gebracht habe, sitze ich nun gemütlich auf unserer Dachterrasse, genieße die Sonne und nehme mir Zeit für einen weiteren Blog-Eintrag. 

La Serena

 Gemeinsam mit 4 Freundinnen ging es in der vergangenen Woche hoch in den Norden nach „La Serena“, die zweitälteste Stadt und gleichzeitig Pisco Region Chiles. Wir haben uns dafür Tickets für den hier üblichen Reisebus gekauft. Die Fahrt dauerte ca. 8 Stunden und war trotz der billigen 10 Euro zu meiner Überraschung super komfortabel: es gab bequeme Ledersitze mit Liegefunktion, zur Unterhaltung wurden mehrere spanische Filme gezeigt und der „Bus-Stewart“ hat sogar wie im Flugzeug abgepacktes Essen serviert. Ich musste beim Anblick des Essens so laut loslachen, dass der Stewart mir 3 extra Portionen für die Reise geschenkt hat, vielleicht sah ich aber einfach nur extrem ausgehungert aus. Besonders amüsant fand ich, dass der Bus machmal am Straßenrand anhielt und dann mehrere Personen durch den Bus geschlendert sind, um uns irgendwelche Sachen anzudrehen. Einmal kam die Bäckersfrau, einmal der Avocadomann und beim nächsten Mal der Typ mit dem Süßigkeitenkörbchen. 

Dort angekommen, mussten wir uns vor der Flut gieriger Taxifahrer retten und sind zum Hostel gelaufen, wo uns Bob Marley, der Hostelbesitzer, herzlich empfangen hat. 

Das mit dem elektronischen einchecken funktioniert in Chile nicht so ganz, stattdessen trägt man sich einfach per Hand in die Check-In Liste ein...und wehe man vergisst seine „RUT“, nach der Nummer des Personalausweises wird hier aus Sicherheitsgründen fast überall gefragt!

La Serena und Umgebung

Valle del Elqui

Am nächsten Tag hat uns Bob Marley mit dem Hostelbus nach Valle del Elqui gefahren. Die Region, die sich westlich von La Serena durch die Anden schlängelt, gilt als sehr fruchtbares Land und ist bekannt für den Anbau von Piscotrauben sowie Papaya. 

Das Wetter war super und wir haben mehrere Stops in den kleinen idyllischen Dörfern gemacht. Mittagessen gab es in dem dort bekannten „Solar Elqui Restaurant“, wo das Essen in gut isolierten Boxen Mithilfe von Sonnenenergie gekocht wird. Bei der Tour durch die Destillerie mit anschließender Wein- und Piscoprobe hat mein Pfälzer Herz höher geschlagen und ich hatte fast ein bisschen Heimweh nach den Weinbergen. 

Valle del Elqui Bustour mit Bob Marley  Solar Restaurant Lunch Time Destillerie Pisco & Weinprobe Abfüllanlagen Stausee in Valle del Elqui Lagerung.. Piscotrauben.. Weinanbaugebiet Valle del Elqui

Reserva Nacional Pingüino de Humbold

Das Highlight des Urlaubs war der Trip zum Reserva Nacional Pingüino de Humboldt. Wir sind 2 Stunden mit dem Bus durch die Wüste gefahren und wie aus dem Nichts sind dann irgendwo im nirgendwo kleine, zerfallene Dörfer aufgetaucht. Keine Ahnung wie die Menschen dort Leben können. Dann sind wir mit kleinen Booten zu der Insel des Nationalparks gefahren, wo wir Pinguine, Delphine und Seelöwen beim Planschen beobachtet haben. Als ich mit Rettungsweste im schaukelnden Boot saß, der kalte Wind gegen mein Gesicht peitschte und die Stahlhalterung aussah, als würde sie gleich abbrechen, da kam ich mir ein bisschen so vor wie die Afrikaner, die voller Ungewissheit in den Flüchtlingsbooten sitzen und nach Europa schippern.  

Zum Abschluss des Tages waren wir noch einem Restaurant zu Abend essen, es gab Fisch, Gemüse, Reis und Empanadas, die mit Shrimps gefüllt waren.

Insel des Naturreservats Mit Bob Marley durch die Wüste Wüstenesel? Seelöwen Pinguine Unser Flüchtlingsboot Terremoto zum Abschluss des Tages

Den letzten Tag haben wir in La Serena verbracht, wo wir eine Strandwanderung zur Nachbarstadt Coquimbo und zum Fischmarkt gemacht haben.                                   Danach gings wieder zurück nach Santiago.

Fitness am Strand Fischmarkt Fischmarkt II Die Nachbarstadt Coquimbo

Santiago City Life

Was bringt eine 6 Millionen Einwohner Stadt so mit sich? Genau, Lärm! Die Geräuschkulisse hier ist enorm! Ständig wird gehupt, sogar der Opa drückt ordentlich auf die Tube, schreit „rico!“ (= lecker) und hängt sein Kopf grinsend aus dem Fenster, wenn ein blondes Mädchen am Straßenrand entlang läuft. Alle paar Minuten hört man entweder eine Polizei/Krankenwagen/Feuerwehrsirene oder eine ewig ringende Autoalarmanlage, das wohl nervigste Geräusch überhaupt. 

Auch der Straßenverkehr ist ziemlich gefährlich, rote Ampeln werden gerne übersehen und es kann durchaus vorkommen, dass man ein Unfallopfer reglos auf der Straße liegen sieht. Aber ich will nicht übertreiben, man schafft es auch lebendig an der Uni anzukommen. 

Ein weiteres Phänomen sind die Straßenhunde von Santiago. Sie stehen mitten auf einer vierspurigen Straße, liegen an einer Straßenecke, wo jede Minute Dutzende Menschen vorbeigehen oder aber schlafen auf den Sofas in der Uni, die eigentlich für die Studenten gedacht sind. Anfangs war ich ein wenig eingeschüchtert, wenn mir ein großer Hund bei meinem Spaziergang gehen gefolgt ist, aber so lange man nicht mit dem Fahrrad an ihnen vorbeifährt sind die Hunde zahm und wollen eigentlich nur mit dir chillen. 

Allgemein läuft man hier sehr viel, die wesentliche Stadtteile sind kompakt und gut zu Fuß erreichbar. Wenn man doch mal ins Taxi steigt, muss man unbedingt darauf achten, ob der Taximeter auf einheimisch (=billig) oder touristisch (=teuer) eingestellt ist.

Freitags ist in der Nähe von der Uni ein großer Markt, die Einheimischen laufen dort alle mit einer Karre rum und starten einen Großeinkauf. Zurecht, denn die Preise dort sind unverbesserlich. Für ein paar Cent bekommt man frisches Obst und Gemüse, Wollpulis gibt's ab 2 Euro und vier illegal gebrannte Filme gibt's schon ab 1,50. 

Santiago Markt  Straßenhund.. Polizei Santa Lucia

Uni

...oder doch eher Schule? Ich würde behaupten das Niveau hier ist viel niedriger als in Deutschland, dafür aber dreimal so anstrengend. Ständig bekommen wir Projektarbeiten, die wir als Gruppe innerhalb von einer Woche einreichen müssen und kaum hat man die eine fertig, bekommt man die nächste zugeteilt. Zudem müssen wir sehr viel Lesen und eigene Zusammenfassungen machen. Anwesenheit ist Pflicht und sogar ein großer Bestandteil der Endnote. 

Letztens kam es in meiner Business Klasse zu einer lustigen Diskussion. Es wurde gefragt, ob ein Markteintritt von Ikea in Chile Erfolg hätte. Ein Chilene antwortete daraufhin, dass er das nicht glaubt: „Chileans don‘t really like reading instructions and building up furniture on their own, they rather have someone else doing it!“

Das beschreibt ziemlich gut die technische Grundeinstellung der Chilenen. Bevor man etwas neu dazu lernen muss, bleibt man lieber den alten Gewohnheiten treu, selbst wenn man weiß, dass diese sinnlos und umständlich sind. 

Hierbei denke ich vor allem an das System in den Bäckereien, bei dem man sich erst in Schlange A anstellt und bestellt, dann bekommt man ein Bestellzettel und stellt sich in Schlange B an, wo man dann sein Essen ausgeteilt bekommt. Während man wartet, läuft die Bäckersfrau ständig abwechselnd von Schlange A zu Schlange B um Kunden zu bedienen. 

Eine weitere Schwäche der Chilenen ist das „zu-spät-kommen“. Die Professoren reagieren darauf schnell pampig, weshalb man nach Vorlesungsbeginn nicht mehr in den Raum eintreten darf.  

Sonstiges

Ansonsten organisiert das Internationale Department unser Uni sehr viele Aktionen für uns Austauschschüler. So habe ich zum Beispiel an einem Tanzkurs teilgenommen, um den Chilenischen Volkstanz Cueca zu lernen, der an den Nationalfeiertagen im September überall getanzt wird. Jede Woche gibt es einen kostenlosen Filmabend in der Uni und es werden Tagesausflüge, wie z.B. Trekkingtrips in die Anden organisiert. Letzte Woche gab es eine „International Fair“ im Uni Foyer, an der alle Austauschstudenten ihr Land präsentieren durften. Die Chilenen waren besonders von dem deutschen Essen angetan und wollten ständig Bilder von uns machen. Am Montag war ich auf der Geburtstagsparty von zwei Freundinnen aus Deutschland eingeladen. Sie hatten auf der Dachterrasse des Hochhauses im 23. Stock ein BBQ vorbereitet, der Ausblick über Santiago war herrlich. 

BBQ Party on Top of Santiago Chilenische Pfadfinder beim Trekking Trekking Trekking

Aussichten

... gutes Wetter? So langsam wird es warm in Santiago, zumindest friere ich nachts nicht mehr und ziehe keine Wollmütze mehr auf wenn ich schlafen gehe. Heute Mittag sind es sogar 28 Grad, auch wenn die Temperatur bis heute Abend vermutlich wieder drastisch sinken wird.  


Update #2

12Aug2013

Skitrip in den Anden

Zusammen mit ein paar Freundinnen habe ich einen Tagesausflug in das Skigebiet „El Colorado“ unternommen, welches sich ca. 2 Stunden östlich von Santiago befindet. Morgens, um 8:30 ging‘s los, aber wie das in Chile so üblich ist, kommen erst einmal ALLE (mit Ausnahme der Deutschen) zu spät zum Treffpunkt. 

Allein die Busfahrt durch die Berge war ein Erlebnis, denn die Straßen sind nicht gut ausgebaut und die Strecken sind sehr kurvig, eine Kotztüte für den Notfall sollte man immer im Gepäck haben. Als wir ankamen gleich der erste Schock: Es gab kein Schnee und der vereiste Hügel sah eher nach Schlittenfahren aus. 

Auf unsere Beschwerde hin wurden wir weiter gefahren und kamen so doch zum Zuge. Auch wenn der technische Stand der Skilifte nicht up to date war und die Atmosphäre nicht mit dem „Hüttengaudi“ in Österreich zu vergleichen ist, hat sich der Ausflug gelohnt: der Blick auf die Anden war gigantisch!

El Colorado

 

Chilenische Gastronomie

Das Essen in Chile hat für alle Feinschmecker etwas zu bieten. Anstelle von Döner isst man hier „Empanadas“, eine Teigrolle aus Mürbteig, die mit allen möglichen Zutaten gefüllt ist. Gängig sind Käse-Schinken Empanadas oder pinos, die mit Hackfleisch, Rosinen, Oliven und Eiern gefüllt sind.Bekannt ist außerdem „Cazuela“, ein Suppeneintopf bestehend aus Fleisch, Mais, Kürbis und Kartoffeln. Abstrakter ist „Pastel de Choclo“ ein süßer Mais-Kartoffelbrei mit Fleisch Beilage. Das wohl fetteste Essen ist die Kombination aus Pommer, Spiegelei, Würstchen und Fleisch oder auch die Neuerfindung des Hot Dogs: Würstchen mit Brot, Avocadocreme, Majonäse, Käse und Ketschup. 

Zum trinken gibt es chilenischen Wein, ich möchte behaupten, dass er mit dem Pfälzer Wein mithalten kann und außerdem im gegensatz zu allen anderen Lebensmitteln sehr preiswert ist. Der bekannteste Cocktail heißt „Terremoto“, (= Erdbeben) eine Mischung aus Ananas Eis, Weißwein und Grenadine. Das nationale Getränk ist „Pisco“ bzw „Pisco Sour“, das aus Zitronen des Dorfes Pica, Zucker und Pisco (Traubenschnaps) hergestellt wird. Peruaner und Chilenen streiten sich gerne darum, wessen Nationalgetränk es tatsächlich ist.

  Torronto Pastel de Choclo Pisco Sour :)  Chilenisches Restaurant

Chileans....

Die Chilenen, die ich bisher kennen gelernt habe waren alle sehr nett und zuvorkommend. Anfangs sind sie zwar schüchtern und trauen sich nicht mit dir zu sprechen (nur 5% der Chilenen sprechen Englisch), aber mit ein bisschen Alkohol intus, klappt die Kommunikation dann doch. Als ich auf der Straße unbemerkt 40 Euro verloren habe, sind mir sogar zwei Chilenen hinterher gerannt, um mir mein Geld zurück zu geben. Ich war sprachlos über diese Aufrichtigkeit. 

Zum Begrüßen und Verabschieden küsst man sich hier auf die Wange, selbst dann, wenn man die Person überhaupt nicht kennt. Wenn 20 Leute im Zimmer sind, dreht man eben eine große „Kussrunde“.

Zu den Schwächen der Chilenen gehören Unpünktlichkeit und in meinen Augen auch Gelassenheit. Hier wird wortwörtlich „gechillt“. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn wir nur 45 Minuten Mittagspause haben, ich für mein Essen aber 40 Minuten anstehen muss. Da warten 15 Studenten mit ihrem Tablett warmen Essen darauf zu bezahlen, und der Typ an der Kasse hat nichts besseres zu tun, als gemütlich in die Küche zu latschen und 3 Gabeln zu holen.  Würden sie deutsches Arbeiter einstellen, bräuchten sie nur halb so viel Personal!

 

Trekking in den Anden

Am Samstag bin ich mit einer Reisetruppe zum Hiken in den Nationalpark „Aguas de Ramon“ gefahren. Der Nationalpark grenzt unmittelbar an Santiago und man spürt sofort die frische Luft. Viele haben Probleme mit dem Smog und der Umweltverschmutzung der Stadt, so sind beispielsweise Kopfschmerzen oft die Folge eines harmlosen Laufs durch den Park. 

Wir sind 21 km gelaufen und haben eine Höhe von 1800m erreicht, Ziel war der Wasserfall am Ende der Strecke. Das Hiken war extrem anstrengend und mir tut immer noch alles weh, aber für den Ausblick lohnen sich jegliche Schmerzen. Wir hatten Glück mit dem Wetter, denn es war seit Tagen wieder 20 Grad und blauer Himmel. 

Aguas de Ramon  Blick über Santiago

 

 „Kleine“ Hausparty für die "Neulinge" im Casa Condell

Nach dem Halbmarathon in den Bergen folgte ein Partymarathon in unserer Bude. Das Haus eignet sich perfekt für größere Partys. Im Innenhof wurde Bier-Pong gespielt, auf der Dachterasse geraucht, in der Küche getanzt und im Wohnzimmer gechillt. Bei 18 Mitbewohnern wird die Gästeliste schnell gesprengt, aber die Putzaktion am nächsten Tag ist leicht getan.

Meine Mitbewohner (fast komplett) Bier-Pong danach.. danach..

 

Für das verlängerte Wochenende habe ich einen Ausflug in den Norden geplant, Berichte folgen bald.

Santiago, erste Eindrücke...

30Juli2013

Hola Amigos!  Cool

Nun bin ich schon fast eine Woche in Santiago und habe mich soweit gut eingelebt.

Flug über die Anden 

Nach 27 Stunden Flug und Kurzaufenthalt in der Karibik war ich total müde und sah aus wie eine zermatschte Tomate! Jedoch hatte ich nette Gesellschaft im Flugzeug: zwei deutsche Jungs, die an der Nachbaruniversität studieren und ein Mädchen, dass in Bolivien ein Praktikum macht. 

Nachdem ich freudig festgestellt habe, dass mein Koffer nicht nach mir, sondern mit mir angekommen ist (haha, Sebastian! ;)), hielt ich Ausschau nach Marcela. Das einzige was ich über sie wusste, war, dass sie ein Jahr lang mit meinem Brasilianischen Buddy aus Köln zusammengewohnt hat, dunkle Haare hat und wohl „ganz cool“ sei. Und tatsächlich stand da ein verzweifelt umherschauendes Mädchen! Sie war mega hilfsbereit und hat mich mit Bus und Taxi bis zu meinem Haus begleitet, wo ich von Johanna (Kommilitonin aus Köln) empfangen wurde.

Mi Casa, Providencia, Santiago Mi habitacion Sala de estar Condell 857 Providencia

Das Haus ist für chilenische Verhältnisse in gutem Zustand. Wir haben ein großes Wohnzimmer und eine große Küche mit Essbereich, eine Dachterrasse und einen Hinterhof mit Grillplatz. Es gibt 10 Bäder und 18 Zimmer, die mit Bett, Schreibtisch und Kleiderschrank ausgestattet sind. Am Anfang war ich etwas geschockt, da die Zimmer in deutschen Verhältnissen ausgedrückt eher einer Speisekammer oder einer Gefängniszelle entsprechen. Auch die Bäder sind mini und nicht die saubersten, weshalb mir Johanna gleich am ersten Tag den 3-Tüten Trick beigebracht: Tüte 1 (Shampoo &Duschgel), Tüte 2 (frische Kleider& Handtuch), Tüte 3 (dreckige Kleider). Das funktioniert eigentlich ganz gut.  Als Europäer sollte man noch beachten, dass das Toilettenpapier nicht ins Klo, sondern in den Mülleimer geworfen wird. Für Ordnung und Sauberkeit sorgt außerdem unsere „Tia“. Sie heißt Nelly, ist 60 Jahre alt und redet wie ein Wasserfall. Dass man sie als Neuling nicht so ganz versteht, ignoriert sie einfach, aber sonst ist sie echt ne Liebe und macht montags sogar unsere Wäsche.

Die Leute im Haus sind alle sehr freundlich und aufgeschlossen, auch wenn ich mir noch nicht alle Namen merken kann und mir manchmal unsicher bin, ob die Person im Wohnzimmer denn nun ein Gast oder ein Mitbewohner ist. Da fast alle hier gebürtige Südamerikaner sind, ist Spanisch im Haus Gesetz. Das ist super hilfreich um die Sprachkenntnisse zu trainieren, auch wenn es zunächst ein Sprung ins kalte Wasser ist. Abends sitzen wir oft in gemütlicher Runde zusammen, trinken Chilenischen Wein und quatschen. 

Universidad de Chile FEN Universidad de Chile FEN Universidad de Chile FEN

Gestern war ich zum ersten Mal an der Uni. Das Gebäude ist super modern und technisch auf dem neusten Stand. Ich belege zwei englische Kurse (International Management, International Business), einen spanisch Kurs (Humanos Recursos) und einen Sprachkurs. Ich habe montags und donnerstags von 9:40 bis 15:00 Uhr jeweils 3 Vorlesungsblöcke und dienstags 2 Sportkurse. Die Klassen hier sind viel kleiner als in Deutschland, aktive Mitarbeit ist Pflicht und es gibt regelmäßig Hausaufgaben, die gerne schriftlich überprüft werden. Wenn man die „80%- Anwesenheitsregel“ nicht einhält, ist man automatisch durchgefallen.   Diese Quote wird von den Tauschis meist vollkommen abgeschöpft, sodass wir innerhalb des Semesters ca. 4 Wochen schwänzen können um zu reisen. 

Das Wetter wird hier jeden Tag gewürfelt. Mal sind es tagsüber angenehme 20 Grad und mal sind es nur frische 6 Grad. Ich versuche mich mit dem Zwiebellook anzupassen und hab zur Sicherheit immer mehrere Kleiderschichten dabei. Besonders abends ist es sehr kalt hier. Bei null Grad und ohne Heizung trage ich im Haus meine Skijacke und nutze 5 Decken zum schlafen.


Am Wochenende hab ich zusammen mit 3 deutschen Mädels eine „Free Sighseeing Tour“ durch Santiago gemacht. Wir sind 5 Stunden durch die Stadt gelaufen und haben uns die schönsten Ecken zeigen lassen. Besonders atemberaubend ist der Blick auf die Anden, von denen Santiago umringt wird. Obwohl die Stadt riesengroß ist, sind die wichtigsten Stadtteile übersichtlich und man findet sich selbst mit dem U-Bahnnetz sehr schnell zurecht. Von unserem Haus in Providencia sind es nur 10min zu Fuß zur Uni, 5min zum Supermarkt und 15min ins Party & Kneipenviertel Bellavista. Die Gegend hier ist relativ sicher und man kann ohne Probleme allein durch die Straßen laufen. 

Das wars erst mal...weitere Einträge folgen bald! 

Muchos Besos Küssend

Bald geht es los

30Juli2013

Dies ist der erste Eintrag in meinem neuen Blog. In Zukunft werde ich hier über meine Erlebnisse im Ausland berichten.